Samstag, 6. Februar 2016

Unterwegs. Fahren am Limit.


Unterwegs.
Obwohl schon viel weniger als in den Jahren davor, verbringen wir doch viel Zeit im Auto und auf den Straßen. Dieses Land ist einfach riesig und wenn man etwas sehen will, braucht es oft viele Kilomter um von einem Ort zum anderen zu kommen. Das ist so gänzlich anders als in Deutschland! Oft liegt zwischen zwei interessanten Orten einfach kein anderer. Bestenfalls man eine Ansammlung von Häusern, manchmal 100 und mehr Kilometer nicht mal das. 
Seit gestern sind wir in Patagonien unterwegs und das nur ganz am Anfang dieser riesigen Region, Aber schon jetzt merkt man das viele Nichts. 
Aber von Anfang an. 

Unser 2. Zwischenstopp an diesem Tag führte uns nach vielen Kilometern Schotterstraße und später aber auch "richtiger Straße", nach Carmen de Patagones, den letzten Ort der Provinz Buenos Aires. Ein Foto vom Straßenschild musst für unsere Freundin Carmen aus Offenbach auf jeden Fall gemacht werden. Hier noch einmal, extra für alle Carmens ;-)
 Ein geschichtlich wichtiger Ort. Es war die letzte Bastion der Zivilisaton gegenüber den patagonischen Indianern. Ursprünglich wurde eine Festung am Südufer des Rio Negro errichtet, die aber leider vom Hochwasser zerstört wurde. So verlegte man sich an das Nordufer, auf der anderen Seites des Flusses, und gründete die Stadt Carmen de Patagones, so benannt nach der wirkenden Carmen und Patagones, da hier Patagonien beginnt. Es war die erste Siedlung in diesem Landesabschnitt. 
So viel zur Geschichte. Zu sehen gibt es aber echt nicht viel. 
Unser Auto einsam vor der Kirche im Zentrum. Ob es hier nur so ruhig war, weil es an diesem Tag so fies kalt war?! Viel Leben war echt nicht zu finden. 
Immerhin ein Café. Dort gab es nette Schilder für die Damen- und Herrentoilette, der Kaffee war gut und es war schön warm dort drinnen.

Kurz über den Fluss und ab jetzt also Patagonien. Wow. Cool irgendwie. Auch wenn wir bei dieser Reise nur kurz dran kratzen und erst in 2 Jahren, zusammen mit Bernd, diesen riesen Teil des Landes erkunden wollen. 
Unser Ziel Puerto Madryn vor Augen, wollen wir auf dem Weg dorthin bei den Seelöwen anhalten. Lobería ist der Platz, an dem sich zig von Ihren seit Menschengedenken tummeln. Früher konnte man noch dicht heran gehen, jetzt kann man ihnen nur noch von einer Aussichtsplattform mit dem Fernglas zusehen. 
Zuerst mussten wir uns überlegen, welche Straße wir nehmen. Die Bundes-oder die Landesstraße. Letztere, das konnte man auf Google Maps gut sehen, führt direkt an der Küste entlang. Logisch, dass ich auf jeden Fall diese nehmen wollte. José überlegte in Vidama noch kurz, ob er tanken sollte, dachte aber, 150 km, da reicht der halbvolle Tank bei weitem aus. Also los zu den Seelöwen, die hier Seewölfe heißen. 
Die Straße dorthin war asphaltiert und wir waren relativ schnell dort. Angekommen mussten wir uns erstmal umziehen. Hatten wir in Carmen de Patagones noch  kurze Hosen, mit Jacken in drei Lagen an, mussten wir hier Jeans anziehen und alles umbinden, aufsetzten, was zu finden war. Sommer`?!?? Wo?! Klar, von 2 Tagen waren noch über 30°.... Aha!
Jetzt war es stürmisch und seeehr frisch. 
Das Erste, was schon auf dem Parkplatz auffiel. Die Viehcher stinken! 
Vor dem Aussteigen saß ein süßes Cuis
vor der Tür. Die werden hier übrigens auch gegessen. Die essen hier alles, echt alles! 

Eintritt gezahlt und noch die eigentlich kleine Ausstellung angesehen. Klein schon, aber immerhin gab es ein Walskelett. Sehr cool! Säugetiere war klar, aber dass sie Finger in Ihren Flossen haben, das hätte ich nun echt nicht gedacht!

Auch auf englisch, sehr nett! Findet man eigentlich kaum, darum war ich echt erfreut!

Suchbild mit Seelöwen... Durch das Fernglas konnte man wirklich mehr sehen. Das Problem war der Wind, kaum hatte mein sich auf einen fokussiert, kam eine Böhe und alles wackelte. 

Obwohl man nicht so richtig toll sehen konnte, war es den Stop wert. Nächstes Mal vielleicht mit Nasenklammer....

Wir hatten uns für die Küstenstraße entschieden und so bogen wir links ab, die anderen wohl rechts. Zumindest trafen wir auf den nächsten 100km Schotterstraße (was war los, ist der Asphalt ausgegangen?!) auf gerade mal 4 Autos. 

Die Straße war zwar schlecht, aber ich würde sie jedem empfehlen. Tolle Aussicht auf das Meer, tolle Landschaft, viel Nichts und doch ganz viel von allem. Auch Tiere. Ein Fuchs, ein Gürteltier und Hasen kreuzten die Straße. Und Kühe, Schafe, Pferde. 
Wo ist die Straße, wo der Strand?
Kühe gucken immer so nett, wenn man passiert. 
Immer mit der Ruhe.....

Auf der ganzen Schottertraßenstrecke, kamen wir nur durch einen einzigen Ort, Bahia Creek. Wann immer ich nach links guckte, kam mir die Tankanzeige sehr nah an die Reserve. José meinte, nö, viertel voll. Passt. Trotzdem fragten wir hier kurz, wo die nächste Tankstelle sei. San Antonio oeste, in 130km. Oh, die Strecke ist doch deutlich länger, als wir ursprünglich in Vidma dachten, als wir von der Bundesstraße ausgingen. Na ja, passt ja.
Wir genossen die Landschaft, erschraken einmal sehr, als plötzlich ein Wagen am Wegesrand stand und zwei sehr dunkle Männer, mit dunklen Klamotten auf uns zu kamen. Wir dachten beide, das sind Soldaten. Sah aus der Ferne echt so aus. Letztlich waren es Jäger oder Gauchos, die einen Zaun reparierten, oder eine Falle aufstellen. Alles safe, aber wir waren beide für ein paar Minuten schweigsam. Uns war klar, wenn Dir hier jemand was will, dann hast Du Pech und bist auf Dich selber gestellt. 
Noch 20 km bis zur Bundesstraße, auf der sicher mehr Verkehr sein würde. 
Kurze Zeit später - die Tankanzeige geht in den roten Bereich. Ach Du Scheiße!!!
Gut, bis zur großen Straße werden wir es locker schaffen und dann versuchen wir jemanden anzuhalten, der vielleicht einen Kanister dabei hat. Das passiert hier in der Tat nicht selten. Immerhin ein Plan. Wir fuhren weiter und ich überlegte, dass vermutlich die meisten Pick ups Diesel fahren, ergo, die meisten wohl wenn dann, Diesel dabei haben. ARGS! Am Ende der Straße, am Abzweig auf die Bundesstraße, standen 2 Autos, eins mit Anhänger und Quad darauf und einem großen Kanister. Rettung! 
José stieg aus und schilderte kurz unsere Situation. Die Reaktion war aber ganz und gar nicht argentinisch. Hier hilft man eigentlich immer. Die hier waren sehr merkwürdig. Alle schauten einen an, der sprach und sagte ganz klar, nö, könne er nicht. Nicht mal einen Liter. Ich saß im Auto, hörte nichts, sah nur die Reaktionen und fühlte mich unwohl. Irgendwas führten sie im Schilde. Warum standen die überhaupt da, mitten im Nichts. Warum grinste die Frau so blöd und überhaupt.... José kam zurück, erzählte was los war und wir fuhren weiter. Mit einem sehr blöden Gefühl. Was war da eben los? Was ist, wenn wir jetzt liegen bleiben? Diese Typen wissen auf jeden Fall bescheid, dass wir es vermutlich nicht bis zur nächsten Tankstelle machen werden. Denn das waren 70km! Auf Reserve! Na super.
Was hilft´s, erstmal weiterfahren. 
Fahren, denken, bibbern. Stille im Auto, den Blick auf das Handy mit der Kilometeranzeige. Noch 60, 50, 40... Was machen? Jetzt fing die Anzeige auch noch an zu blinken. Gar nicht gut. Heißt, jetzt ist es so richtig Reserve. Und das Schlimmste, es kamen keine Autos!! Von vorne ein paar mehr, aber von hinten nichts. 
Endlich kam eins, wir machten Warnblinker an, José signalisierte durch das Fenster, dass wir Hilfe brauchen. Was passierte, das Auto überholte und fuhr weiter. Kacke! Kacke! 
Klar, hier will niemand anhalten. Man weiß ja nie, was führt der andere im Sinn und wie schon bemerkt, Du bist im schlimmsten Fall echt auf Dich allein gestellt. 
Das nächste Auto hielt auch nicht und langsam waren wir echt etwas verzweifelt. Was machen? Anhalten, solange es hell ist, doch hoffen, dass uns wer mitnimmt, wenn wir neben dem Auto stehen? ABer dazu muss ja erstmal jemand vorbei kommen. Dann kam eine weitere Straße, die auf die Routa 3 führte, auf der wir fuhren. Hier stand ein Auto mit Warnblinker (der Fahrer musst gucken, auf welche Straße er musste). Unser Chance, so schnell kann er ja nicht weg, erst Recht nicht, wenn wir davor parken. 
José ging hin, erklärte. Das nächste Auto hielt und fragte, ob er helfen könnte. Beide wären sogar bereit gewesen, aber nur mit je einem Platz im Auto. Das heißt, einer muss allein los. Das war außer Frage. Also waren wir wieder allein auf uns gestellt. Weiterfahren. Rollen lassen, wo es geht. Langsam, ganz langsam. Die Kilometer schlichen dahin. Irgendwann 21km, ah, ein Halbmarathon. Zum Laufen zu weit. 15km - komm Du liebes Auto, noch 5 weitere. 10km, das ist machbar. Wobei, 10km auf der Straße, damit ist man ja noch nicht im Ort. Also sicher insgesamt 15-20 km. Weiter, bitte, bitte, bitte. Jeder km zählt. Die Lichter der Stadt waren schon zu sehen, aber noch weit weg. 8km, unglaublich, er fährt immer noch. 5km, ok, jetzt ist es schon besser. Das kann man schaffen. 3km - etwas Entspannung setzt ein. 1km und das Navi zählte Meter runter. Hurra. Aber bis in den Ort ist es, wie gesagt noch weiter.  Und dann, kaum zu glauben, eine Tankstelle an der Verbindungsstraße zur Stadt. Hey, waren wir happy!!! Aber was soll ich sagen, es gab keinen Sprit!!!!!!! Unfasslich! Aber ein Glück, es gab eine weitere, nur wenige hundert Meter entfernt. Und selbst die meisterte der kleine Classic! 
(50l Tank)
Als wir ankamen war uns auch egal, dass es ein mega Schlange gab! 1 Stunde standen wir an, bis wir tanken konnten. Who cares!! 
(Wir waren endlich kurz vor der Zapfsäule, die Schlange hinter uns aber kaum kürzer als vor einer Stunde) 

Nach der ganzen Aufregung waren wir 
echt im Arsch. Ich kann es nicht anders sagen. Nur noch ein Hotel und bitte eins, mit frischen Bettlaken und eins, in dem das Bett nicht nach nassem Hund riecht! Alles andere hätte ich nicht mehr wuppen wollen. 
Die ersten beiden Hotels waren voll, im dritten hatten wir Glück und noch dazu mit Bettwäsche, die gestärkt war und nach Kernseife roch. Der Himmel auf Erden!! 
Gegenüber eine Pizzeria. Ein Gin Tonic musste noch sein und dann einfach nur noch schlafen....!!!

Heijeijei, das brauche ich echt nicht noch einmal! 









































3 Kommentare:

  1. Boah, watt fürn Krimi. Ich bin schon vom Lesen völlig feddisch!

    AntwortenLöschen
  2. Ich kann Dir sagen! Schlimm war das! Ich brauche das auf keinen Fall noch einmal

    AntwortenLöschen
  3. :) Wie aufregend!
    Und nochmals danke für das Carmen-Bild ;)

    AntwortenLöschen