Wir wollten gleich ein bisschen Strecke machen, wir wollen schließlich nach Patagonien und waren immer noch in der Provinz Buenos Aires - sozusagen noch gar nicht aufgebrochen! Unterwegs gab es zwei Orte zu besichtigen: Punta Alta, wo ich mal als Jugendlicher gewesen bin (mein Bruder war Marinekadett und hier stationiert), und Bahía Blanca.
Beide Orte waren leicht enttäuschend: Punta Alta hat gleich zwei Häfen, die Marinebasis Puerto Belgrano und den Handelshafen Puerto Rosales, aber in der Stadt selbst merkt man kaum etwas davon. Es ist ein freundliches, aber leicht nichtssagendes Städtchen. Eine schöne Kirche, ein großer Platz in der Mitte mit vielen glücklichen Hunden, die das Leben dort offenbar genießen.
Wir trafen auch einen Schleifer, der sein Fahrrad so umgebaut hat, dass er es aufbocken kann und damit das Schleifrad antreiben kann. Wir hatten leider kein stumpfes Messer dabei...
Nach einem Kaffee und einem Besuch in einem schönen Trödelladen führen wir weiter. Bahía Blanca! Ich hatte viele Fotos vom Industriehafen gesehen, der ziemlich gewaltig sein muß und sicher beeindruckend anzusehen. Leider kam man nicht so recht heran (oder ich habe mich doof angestellt), so dass wir ihn nicht besichtigen konnten. Nur einen Blick auf die Ölraffinerie geworfen, der auch interessant war, aber sich schnell erschöpft hatte.
Die Stadt selbst war ein bisschen schwierig. Bisher habe ich es immer geschafft, die Stadtmitte ohne Umwege zu finden, weil sie klar zu erkennen ist. Hier ging das nicht so gut; am ehesten war sie daran zu erkennen, dass man keine kostenlosen Parkplätze fand.
Wir waren in der Mittagshitze angekommen und brauchten erstmal was Kühlendes und was zum Knabbern. Nicht leicht, alles hatte zu! Wir fanden dann ein Café, das sich als kleine Klitsche herausstellte, aber es gab wenigstens eine Kleinigkeit zu essen. Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg in eine Bibliothek, die wir unterwegs gesehen hatten und von außen vielversprechend aussah, aber leider war sie von innen enttäuschend: leicht heruntergekommen, bestand sie aus nicht viel mehr als einem Lesesaal und einem Rechercheplatz mit sage und schreibe drei Computern.
Witzig: an unserem bezahlten Parkplatz angekommen, mussten wir feststellen, unmittelbar daneben gab es ein ganz gut aussehendes Restaurant!
Von Bahía Blanca weiter Richtung Süden. Die Bundesstraße 3 ist gut befahrbar, aber auch ziemlich langweilig, es gibt da nichts zu sehen. Kurz auf die Karte geschaut, entdeckten wir ein paar Orte an der Küste. Wir landeten erstmal in Villalonga, einem winzigen kleinen Ort, und fragten nach dem Weg in der einzigen Eisdiele. Fragende Gesichter. Wir dachten schon, hier sei man Fremden gegenüber vielleicht nicht so aufgeschlossen, da kam die Ladenbesitzerin und bot sich an, mit uns mitzufahren zu ihrem Schwiegersohn, der hätte da ein Häuschen gebaut und wüßte den Weg. Aber das war nicht nötig: gerade kam ein älterer Herr vorbei, der sich offenbar auch auskannte und uns den Weg nach Los Pocitos beschrieb, und wenn uns das nicht zusagte, sollten wir bis Bahía San Blas fahren - letztere hatte ich als einen der schönsten Strände Argentiniens in einem Reisebuch gesehen.
Wir fuhren los, und es war nicht leicht. Ich habe eine Offline-Navigatios-App, die normalerweise sehr genau ist, aber hier versagte sie: die kleinen Straßen und Orte sind nicht verzeichnet.
Wir führen eine Weile in gefühlter
Wir führen eine Weile in gefühlter
Richtung (auf einer 70 km langen Schotterpiste), aber dann mußten wir uns doch durchfragen. Bloß wen? Zum Glück stand da ein Auto, ein Vater mit drei wild aussehenden Jungs, die offenbar eine Pinkelpause brauchten. Ok, umdrehen, nach dem Ort links, dann kommt irgendwann eine Kirche, dort links, der Weg ist etwas schwierig. Hmm... Gesagt, getan, dann kam aber keine Kirche. Dafür ein Straßengrader, und wir konnten nochmal fragen. Der Mann kannte den Weg, seine Beschreibung war etwas anders, und er machte einen etwas verwirrten Eindruck. Er fragte uns, ob wir nicht unterwegs zwei Baumaschinen gesehen hätten! Leicht skeptisch weitergefahren, und siehe da: wir waren da. Los Pocitos!
Nico war sofort in den Ort verliebt. Maximal 20 Häuser, die meisten eher bescheiden, viele Ferienbungalows, und überall den Bezug zu Austern. Der Strand war kein Sandstrand, aber trotzdem ein Traum. Kilometerweite Einöde, voller Muschelkalk, mit Sandstein und Lehm, an manchen Stellen voller Wassergräser. Und Millionen Austern! Austernschalen überall. Das Sprichwort heißt "einsam wie eine Auster", aber diese Austern waren alles andere als einsam.
Das Wetter hatte sich gewendet, und zwar gegen uns: kalter Wind, dunkle Wolken. Wir fanden eine Unterkunft, die erstaunlicherweise auch WLAN hatte, bei einem freundlichen Ehepaar, das eine Ferienanlage betrieb. Allerdings war das ganze etwas muffig, Nicos Bett roch nach nassem Hund - meins nicht, oder ich habe es nicht bemerkt, denn ich bin ziemlich erkältet :-/
Wir wollten eigentlich zwei, drei Tage hier bleiben, aber der Wetterbericht sagte Regen voraus. Das Problem: dann werden die Wege unpassierbar, und man steckt für einige Tage fest. Wir waren dafür nicht ausgerüstet, hatten auch keine Essensvorräte und der einzige Laden hatte uns schon den letzten Rest halbtrockenen Brots verkauft. Also hieß es doch abreisen (Nico wollte auch nicht wieder in dem Hundebett schlafen). Morgens noch einen kurzen Lauf am Strand. Sowas habe ich noch nie gesehen: wir liefen buchstäblich auf Austernschalen! Und unterwegs auch jede Menge diverses Getier gesehen, lebendig und tot: Krebse, Muscheln, Vögel, und sogar einen toten Pinguin.
Das Wetter war wie erwartet schlecht, es nieselte, und es wehte ein rauher, kühler Wind. Wir waren froh, als wir die nächste Ortschaft erreichten: Bahía San Blas. Sie bestand im Prinzip nur aus einer langen Strandpromenade.
(Und plötzlich wünscht einem jemand von hinten "Gute Reise!" :) sehr nette Begegnung mit einer Argentinierin, die Verwandte in Deutschalnd hat uns einige Worte sprechen kann)
Der Strand hier war anders: nicht flach wie in Los Pocitos, sondern gleich tief wie ein Becken. Statt Sand Kieseln. Man erklärte uns, dass es hier eine einzigartige Kombination dreier verschiedenen Strandarten gibt: Schlick wie in Los Pocitos, Kiesel in Bahía San Blas, und dahinter 70 km lange Sandstrände. Der Küste vorgelagert sind ein paar Inseln, und in den entstehenden Strömungen gibt es viele Fische- das merkte man dem Ort an: es gab bei dem Wetter keine Badetouristen, aber viele, viele Angler, und einige Anglergeschäfte- und einen Bootsparkplatz!
Hier hatte man offensichtlich fest zugeteilte Plätze für die Anglerboote (am Strand selbst fängt man nicht so gut wie vom Boot aus).
Aber auch hier konnten wir nicht bleiben. Wir haben es geschafft, die schönsten Strände Argentiniens zu besuchen, ohne ins Wasser zu gehen - es war schlicht zu kalt dafür!
Weiter ging es auf unsere Fahrt. Über Schotterpiste auf die Ruta 3, und dann ging es ohne Halt bis Carmen de Patagones.

















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