In Bariloche zeigte sich erstmal die Sonne. Wir gingen in den Frühstücksraum, und es erwartete uns ein tolles Frühstück. Mit Rührei, Würstchen, leckerem Kaffee, Obst, Müsli, Joghurt, Kuchen - man hätte ihn schon kontinental nennen können, allerdings vom anderen Kontinent.
So gestärkt gingen wir erstmal raus, die Stadt erkunden - das heißt, wir gingen erstmal zurück und holten eine Jacke. Kalt war es! Und windig. Trotz Sonne ging es auch mit der Jacke gerade so.
Als erstes fiel uns auf: die Straßen sind steil! Meine Güte, schon mit dem Auto war es schwer, aber erst zu Fuß merkte man wirklich die Steigung. Ich hielt meinen Vorschlag, laufen zu gehen, vorsorglich zurück :)
So steil, dass die Straße nicht gerade, sondern im Zickzack geht
Das Hotel lag ziemlich zentral nicht weit vom Seeufer, also erstmal liefen wir dorthin. Das Panorama war schön, aber hier war der Wind richtig unangenehm. Es gab richtige Wellen wie am Meer, mit Brandung, Gischt und allem Drum und Dran! Nico überlegte sofort, eine Mütze zu kaufen oder einen Buff. Ich hatte optimistisch meine kurze Hose anbehalten- puh!
Am Ufer entlang gingen wir bis zum Seehafen, wo Ausflugsboote starten. Nur mal schnell geschaut, denn der Wind war sehr unangenehm. Also weiter wieder den Berg hoch, da war das Rathaus und das alte Stadtzentrum, da war es hoffentlich etwas windgeschützt.
Die Stadt gibt sich gerne alpin, der Baustil erinnert ein bißchen an Schweizer Bergdörfer, allerdings mehr so, wie sich Argentinier die Schweiz vorstellen - es hat einen künstlichen Touch.
Aber eins ist gut gelungen: das Zentrum der argentinischen Schokoladenindustrie. Und die schmeckt lecker!
Da es eh zu windig zum Spazieren war, suchten wir ein windgeschütztes Plätzchen in der Sonne und genossen eine Probepackung Schokolade. Köstlich! Aber sitzen ging auch nicht sehr gut. Ohne Wind brannte die Sonne ganz schön, und wir kamen ins Schwitzen! Am Rathausplatz gab es ein "Dingemarkt", wie Nico sagt, ein Markt, wo Kunsthandwerk und Bastelsachen verkauft wird. Interessant: hier werkeln auch viele Männer, und zwar nicht nur die traditionellen Männersachen wie Holz- oder Schmiedearbeiten, sondern auch Häkeln, Stricken, Weben, Nähen! Wohl alles Waldorfschüler :)
Wir liefen zur Touristik-Information um zu sehen, was man hier alles so machen kann. Ganz klar, Bariloche ist sportlich! Hier kann man Kanufahren, wandern, schwimmen, reiten, surfen, radfahren, es gab sogar einen Traillauf über 21km, den wir aber verpaßt haben (zum Glück, den hätten wir eh nicht geschafft). Bei dem Wind war es aber alles ziemlich doof. Wir wollten wenigstens mit der Seilbahn auf den Cerro Tronador, aber die war wegen des Windes außer Betrieb :-/
Also nochmal an den See spazieren. Die Sonne stand etwas höher, was den Wind ein bißchen erträglich machte. Das Ufer war ziemlich leer, nur wenige unerschrockene Spaziergänger und zwei Kitesurfer. Das sah cool aus! Der eine ist plötzlich abgehoben, 5, 6 Meter, und dann wieder runtergeplumpst.
Aber es ging wirklich nicht lange. Der Wind war so unangenehm, dass es keinen Spaß machte. Wir gingen wieder in die windgeschützte Innenstadt. In Bariloche gibt es ja viele Läden, aber es sind grundsätzlich nur ein paar Kategorien: Schokolade, Kneipen, Regionalprodukte, Sportausstattung, und das in wechselnder Besetzung oder teils in unmittelbarer Konkurrenz zum Nachbargeschäft. Das passte: Nico brauchte eh eine Jacke oder zumindest Mütze und Schal. Am Ende wurde es ein Buff.
Eine andere Alternative: ein Bierchen. Wir setzten uns an der Straße in der Sonne, mußten aber bald nach innen umziehen: zu heiß. Die Kneipe war witzig: sie hätte in jeder beliebigen deutschen Stadt stehen können. Draußen warb sie für ihren Biergarten.
Abends wollten wir in ein Restaurant gehen, der uns von einem "Dinge"-Händler in El Bolsón empfohlen worden war. Es müsste gut sein, wenn der Mann fast hundert Kilometer dafür hinfuhr, also wollten wir unbedingt reservieren, bloß wollten sie das nicht: wir sollten einfach so vorbeikommen, für zwei Personen sei es nie ein Problem, einen Platz zu finden. Pustekuchen! Als wir dort abends ankamen, standen die Leute vor der Tür Schlange!
Wir haben aufgegeben und suchten eine Alternative in der Nähe. Die war dann ein Glücksgriff! Eine tolle Pizzeria, bei der wir mit Sicherheit nicht schlechter gegessen haben.
Am nächsten Tag sollte das Wetter noch schlechter werden: kalt und windig, und dazu noch Regen. Zeit abzureisen!