Sonntag, 14. Februar 2016

11.02. - Das Glück der Erde....


Der Morgen begann mit einer salzigen Dusche. Das war schon ein komisches Gefühl. Das Wasser hat so viele Mineralien, dass es wirklich richtig salzig ist. Zähneputzen geht nur mit Wasser aus der Flasche, anders ist es erstmal seeeehr gewöhnungsbedürftig. 

Frühstück mit Blick auf die Weite der Estancia und sogar kurz mal WLAN um zu Hause die Familie wissen zu lassen, alles ist wunderbar. Dann gab es ein deutlich hörbares Klacken und schwuppdiwupp, war der Strom abgeschaltet und das würde jetzt auch bis zum Abend so bleiben. 
Also nix mit Blog schreiben, sondern Zeit, die Farm zu erkunden und den alten Leuchtturm anzuschauen. 
Eindrucksvoller Eingang!

Billard, Mountainbikes... Alles, was das Herz begehrt. Und natürlich Pferde! Aber das sollte noch eine gute Stunde dauern, bis wir für den Ausritt verabredet waren. 
Das Grundstück der Estancia umfasst sagenhafte 5000 ha. Schier grenzenlos. Mehr als ein paar Schafe und Pferde und eben das Hotel, gibt es hier nicht. 
Zum Abschalten ist das hier sicher der richtige Ort!



Der Leutturm wurde 1906 gebaut und das gesamte Material wurde aus BsAs hierher geschifft. Was für ein Kraftakt! Die Entfernung, der Wind, die Kälte....

Dann ging es endlich los! Reiten! 
Schon vorab hatte ich dezent nachgefragt, ob die Pferde auch in einem guten Futterzustand sind und ich würde nicht enttäuscht. Sie sahen super aus! Ich hätte mich nicht überwinden können, hätten sie schlecht ausgesehen. 
Groß waren sie noch dazu, das ist in Argentinen eher ungewöhnlich. Unser Guide/Gaucho Roberto war uns gleich sympathisch und selbst, als er sagte, die Pferde würden den Weg schon allein finden und ich dann davon ausging, dass wir einfach hintereinander herschleichen würden, war ich noch voller Vorfreude. 
Aufsteigen und los!
Der Anfang war, wie vorgestellt, es gab einen ausgetretenen Pfad und wir gingen im Schritt hintereinander. Zeit für Fotos :) Man reitet hier ja eh mit den Zügeln nur in der linken Hand. 
Wir ritten durch die Steppe, die wir ja immer wieder über Kilometer vom Auto aus sehen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es ist, da mittendrin zu sein. Die endlose Weite ist faszinierend. 
Nach einigen hundert Metern stelle ich fest, mein Pferd ist in keinster Weise stumpf. Ich konnte sowohl Tempo, also auch den Weg bestimmen. Wie cool. Also erstmal José überholen :)
Eigentlich nichts, aber so schön!

Der Guide plauderte, ich trabte locker zu ihm hin und er trabte ebenfalls an und wir ritten nebeneinander. Ohne große Worte war klar, hier ist genug Platz für alle und so konnte ich einfach reiten. Vor ihm, neben ihm, einfach für mich. Das Pfed war flott und hatten offenbar Spaß! Wie herrlich!! Unser Ausritt vor 2 Jahren war toll. Allerdings waren die Wege eng, voller Steine und wir mussten wirklich hinter dem Guide bleiben. Hier wurde nur gesagt, auf die vielen Löcher der Gürteltiere aufzupassen und das war es auch schon. Das Glück der Erde... <3

Wir ritten zu einem Wassertank und Roberto checkte das Wasser. Alles wunderbar. Die Hunde, die uns die ganze Zeit geleiteten genossen ein Bad! 

Ich bombe Euch jetzt mit Fotos zu. Es war einfach zu schön. Und das Beste sollte noch kommen...
Wir ritten an die Steilküste. Der Blick war umwerfend!! Das Meer, die Sonne, das alles auf dem Rücken eines wunderbaren Pferdes, besser geht doch nicht, oder?! Doch, hier schon! Und es hat mich zu Tränen gerührt. Selbst jetzt beim Schreiben haben ich wieder Pipi in den Augen, so überwältigend war es. Wir saßen auf den Pferden und schauten unten im Wasser den Seelefanten beim Schwimmen, Sonnen und Spielen zu. Puh! So viel Glück, so viel Freude, so viel von allem <3 Wr hätte gedacht, dass sie Pinguine noch Konkurenz bekommen würden. 




es gibt Momente, die kann ein Foto nicht wiedergeben...
Einmal ein Tourifoto, bitte :) 

:))
Die 1,5 Std vergingen wie im Flug! Schon ritten wir wieder auf die Estancia zu. 
Aber da habe ich doch vor lauter Vorfreude, von der Steilküste zu erzählen, ein anderes tolles Erlebnis vergessen! Wir sahen ein Gürteltier!! Seit Jahren will ich eins sehen und jetzt mit bester Sicht <3
Und ebenso mit bester Sicht, die Skelette der etlichen toten Schafe. 
An Altersschwäche gestorben, sagte Roberto. Ich kann das kaum glauben, die hätten die doch sicher vorher gegessen..
Und so zubereitet... Das erwartete uns bei der Rückkehr in das Hotel. 
Asado für eine Reisegruppe. 

Wir sattelten unsere Pferde ordnungsgemäß selber ab. Und die Sattelkammer hat mich mit der absoluten Ordnung beeindruckt. Roberto erklärte mir noch einiges zu dem Leder. Unter anderen, dass es mit Entenfett gefettet wird. Es war absolut butterweich! 

Dann aber echt zurück in das Haupthaus, auch wenn ich noch Stunden bei den Pferden hätte bleiben können. 
Wie gesagt, dort bruzelte das Asado für die erwartete Reisegruppe. Die Tische waren eingedeckt und es war klar, hier kommt ein Reisebus. 
Im Preis der Übernachtung war noch ein Besuch bei den Seelefanten inbegriffen. Man geht mit einem Guide in kleiner Gruppe bis zu 3m dicht an die Tiere heran. Großartig, hatten wir sie doch bisher immer von Aussichtsplattformen aus weiter Ferne, oder aber eben jetzt vom Pferd aus gesehen. 
Aber sollte die Reisegruppe dorthinunter gehen und in Ca 3 Studnen dann wir. Wir haben eine Weile überlegt. Das Reiten war einfach soooo unglaublich wunderschön, wollten wir uns das Gefühl von Einsamkeit und zur Zeit, als einzige Besucher im Hotel wirklich durch eine Gruppe angekarrter Touristen (wir sind ja Reisende ;-)) zerstören lassen? Aber dann wieder, die Seelefanten aus so einer Nähe.... Nach kurzem hin und her, wollten wir dann los. Wir waren uns beide sicher, hier kommen wir noch einmal her und zwar in 2 Jahren gemeinsam mit Bernd! 

Vor der Abreise gab ich den Pferden, die inzwischen schon frei mitten in der Steppe standen und mit einem Pfiff aufmerksam gemacht wurden, die Möhren, die langsam im Auto schrumpelten. Ich musste trotz Pfiff ein wenig mit den FlpFlps durch die Büsche gehen und ich sage Euch, das pikst, das ist trocken und alles andere als das, was die Pfede bei uns fressen! Ich kam an und gab die Möhren und das Maul der Pferde ist überhaupt nicht mit dem unserer Pfede vergleichbar! Es ist nicht weich und sanft, sondern fühlt sich nach fester Hornhaut und Schmirgelpapier an. Kein Wunder, sie fressen, was mir an den Füßen unangenehm war....

Abfahrt! Zurück nach Puerto Madryn. Es sollte heute noch weiter nach Esquel gehen.

In Puerto Madryn angekommen, konnte José das bereits reservieret Hotel in Esquel auf den nächsten Tag verschieben. Gut, denn bis dorthin wären  es noch Ca 680 km gewesen und das nach den bereits 180 gefahrenen ein ordentlicher Ritt. Nicht vergessen, die Straßen hier sind in kleinster Weise mit dem zu vergleichen, was wir sonst so kennen!
Wir hatten also noch Zeit ein letztes Mal im Meer zu schwimmen und am Strand Mate zu trinken, bevor es weiter ging. 

Mit einem weinenden Auge traten wir dann am Nachmittag, weg von Strand und Meer, hin zu den Bergen und in gewisser Weise auch den Rückweg nach Buenos Aires an. 
Distanzen! 

Erster Stop in Dique Ameghino. Ein winziger Ort, eingeschlossen von Bergen und Stausee. Ganz nett, aber der krasse Gegensatz zu der Weite der letzten Tage. Kurze Überlegung hier zu übernachten. Ja, nein, ja, ach, doch nicht. Da kommt ja noch einer in 80 km. Denn bis Esquel, das war uns zu weit, das war schon klar. 
Wir fuhren weiter und das zum Glück, denn wir kamen direkt auf den Sonnenuntergang zu. 
Kein Verkehr weit und breit. Zeit für Fotos. 
Ein paar Kilometer weiter mussten wir einfach noch einmal halten. So schön sah das aus. 
Noch ein paar Kilometer weiter war sie dann ganz verschwunden
Wir wunderten uns über den Schleier, der zu sehen war. Bei dem nächsten Stop erfuhren wir, Waldbrände :(
Der nächste Stop war sehr amüsant! 
Der Ort hieß Las Plumas. Witzig. Kleiner als Ohlum. Immerhin eine Tanke. Da gab es aber nur Sprit für 200 Peso pro Auto. Der Tanklastzug war noch nicht da... José fragte den Tankwart nach einem Hotel, der lachte und sagte, fahrt lieber bis zum nächsten Ort in 100km, das hier geht gar nicht und lachte.
Wir schauten aus Neugier und es war schlimm! Nicht nur, dass es schlimm aussah, nein, die Frau war derart unfreundlich und musterte uns, als wären wir potenzielle Einbrecher. Zu guter letzt war es mit 600Peso unverschämt teuer. Also was soll's, 100 km weiter. 
Die Fahrt war mühselig. Es gibt hier keine Reflektoren am Straßenrand. Wunderten wir uns tagsüber, warum hier bei der winzigsten Kurve ein Schild stand, war es jetzt klar. Du siehst die Kurve im Dunklen einfach nicht! Allerdings auch kein Schlagloch und die haben keine Schilder... 
Nach 50km war José nicht mehr so wohl und wir tauschten. Ich sah irgendwann einige Sterne, aber als Fahrer bekommt man ja nichts mit, also rechts ran, ist ja eh keinerlei Verkehr. Und was wir dann sahen, so im völliger Dunkelheit und mit einem kleinen Mond, das war überwältigend!!! Sterne, soooo viele Sterne!!!! Die Milchstraße hell erleuchtet. Tränen der Überwältigung ein zweites Mal an diesem Tag! Wie unbeschreiblich wunderschön! Das gibt es auf unsere Seite der Erdhalbkugel einfach nicht.
Stellt es Euch ungefähr so vor
(Geklaut im Netz. Leider ohne Quellenangabe) 
- nur noch schöner! 

Noch 20km bis Los Altares. Mit Hilfe des Tankwartes das letzte Zimmer ergattert. Richtig schön und mit netter Vermieterin und billig dazu - 300 Pesos. Yeah! 
Essen, schlafen, fix und fertig!
 
Ein Tag, der in allen Einzelheiten unvergessen bleiben wird! 





























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